Impressionen vom „Krähe“-Jubiläum

„Die Krähe feiert ein rauschendes Geburtstagsfest“, so titelte der Gränzbote über die Gala zum 20-Jährigen des Tuttlinger Kleinkunstpreises mit vielen Preisträgern der zweiten Dekade, die am 19. Mai nach zweijähriger Corona bedingter Verspätung endlich über die Bühne gehen konnte.

„Das Defilee der Preisträger der letzten zehn Jahre offenbarte die Vielseitigkeit des Kleinkunstwettbewerbs von politischem Kabarett über Poetry-Slam bis zur Artistik“, schrieb Kornelia Hörburger. Hinter den Kulissen führte der Berliner Künstler und Krähe-Juror Karl Heinz Helmschrot Regie und entwickelte eine chronologische Programmfolge, die Musiker-Comedian Michael Sens (Sieger 2021) eröffnete. Der Gewinner 2020, Singer-Songwriter Lennart Schilgen, punktete mit Schalk, jungenhaftem Charme und einer Reinhard-Mey-Persiflage. Nur per Video-Botschaft konnte Sascha Grammel (Sieger 2010) gratulieren, der mit seiner Schildkröte Susi auch ein Geburtstagsständchen zum Besten gab. Auch von Miss Allie (Gewinnerin 2019) gab es, krankheitsbedingt, nur einen verschnupften und verschnodderten (aber sehr charmanten) Videogruß. Wenn Artem Zolotarov slammt, wird es selbst im größten Saal plötzlich sehr still. Seine rhythmisch und melodisch perfekt durchkomponierten Sprachkunstwerke ziehen die Zuhörer unweigerlich in den Bann … und berühren.

Der Sieger von 2017, Thomas Schreckenberger, zeigte sich hochpolitisch, temperamentvoll und  rotzfrech. Tosenden Beifall erhielt er für seine Klaus Kinski-Parodien. Auch das Duo „Suchtpotenzial“ (2016) konnte nicht da sein, schickte aber einen wunderbaren musikalischen Gruß für die „Tuttlinger Krähe“. Dafür waren Stenzel und Kivits (2015) umso präsenter: Die niederländischen Musik-Artisten beherrschen nicht nur Gesang und Klavierspiel, sie sorgten mit wilden zirzensischen Einlagen auch auf dem Flügel stehend für Tempo und Überraschungen.

Schon 2014 hatte Lars Redlich die Herzen des Publikums im Sturm erobert: Doch der vermeintliche Sunnyboy hat es beim zweiten Hinsehen faustdick hinter den Ohren. Auch C. Heiland beherrscht das Spiel mit dem Publikum, kommt dabei aber skurriler daher. „Ob Sachse oder Hesse, einfach mal die Fresse, im eigenen Interesse“, ließ er die Zuschauer mitsingen. Mit Heinrich del Core aus Rottweil (2012 Gewinner) endete der Abend: in vertrauter Dialektfärbung, immer liebenswürdig und spritzig, ohne verletzend zu werden. Ein happy end für einen top Kleinkunstabend.

IMPRESSIONEN VON DER "KRÄHE"-GALA