Der 30. Honberg-Sommer 2026: Ein runder Geburtstag
Das 30. Festival, zwar kein echtes Jubiläum, aber doch immerhin ein runder Geburtstag, der für über 500 Acts auf der Festivalbühne, mehr als 200 Kinderprogramme, über eine Million Besucherinnen und Besucher, ungezählte Hektoliter Bier und vor allem unendlich viele Erinnerungen steht. Neuigkeiten gab’s freilich auch bei der 30. Auflage noch: noch nie – wahrscheinlich war es höchste Zeit – sorgte eine Frau mit dem Fassanstich fürs Festivalopening (OB Michael Beck reichte den Hammer an Melanie Munóz aka. Maria Mel la Voz weiter, die Dick „Sascha“ Brave vertrat, der im Autobahnstau hängen geblieben war). Noch nie war es heißer zum Festivalstart und selten blieb’s auf dem Honberg – wie in diesem Jahr – nahezu regenfrei. Und weniger schön: es war das erste Festival ohne Beteiligung des Rittergartenvereins, dafür aber mit einer in Teilen neu aufgestellten Gastronomie, die feststellen musste, dass die große Zeit der Frühschoppensonntage zwar vorüber ist, aber auch neue Konzepte wie die Cocktaillounge mit Spritzgetränken aber guten Anklang fanden.
Auf der Bühne gab’s keine Ausfälle, dafür manches musikalische Wiedersehen (u.a. mit Gotthard, Joris oder – nach 23 langen Jahren – mit Dick Brave alias Sascha), einige neue Gesichter wie ClockClock, Sophia oder Rian und das vielleicht schönste Varietéprogramm ever. Auch der diesjährige „local heroes“ Abend mit der Honberg-Premiere von Papis Pumpels geriet zum Volltreffer – die Schlagernacht mitgefeiert hatten auch einige Grüppchen, die es vom ersten Tuttlinger CSD auf dem Marktplatz danke Sunshine Tickets direkt auf den Berg zog. Wie überhaupt die Stimmung im Festivalzelt und im Biergarten auf der Zielgeraden (mit vier ausverkauften Abenden in Folge) und am letzten Wochenende überkochte. Und als draußen schon lange gefeiert wurde, zeigte vorm Festivalzelt Alexander Eder („Das war heute eines meiner schönsten Konzerte.“) einmal mehr, was echte Fannähe ist: bis nach ein Uhr nachts gab’s Autogramme und Selfies für wirklich jeden, der wollte. Chapeau!
10. Juli
DICK BRAVE, Special Guests: MARIA & THE RHYTHM BOOSTERS
Ganze 23 Jahre nach seiner Berg-Premiere mit seinem Bühnen-Alter Ego Dick Brave (damals noch mit den Backbeats als Begleitcombo) steht Sascha mit Pomadenfrisur und Bowlinghemd wieder auf der Bühne im Festivalzelt des Honberg-Sommers: „Back for Good“! „Ich freue mich so, wieder hier zu sein!“ Und die Freude ist ganz bei den – dank Sunshine Tickets – rund 1.400 Fans im ausverkauften Zeltrund, für die er mit„Back for good“ von Take That eröffnet. Aus aktuellen Chartsongs von Taylor Swift oder Dua Lipa und Comeback-Klassikern von Elton John, Tina Turner oder Elvis zaubert der erfundene Kanadier mit seiner Band Rockabilly-Nummern im Stil der 1950er-Jahre. Da steht kaum ein Bein still – bei Dick Brave selbst schon gar nicht, der sich im Hüftschwung, im Ausfallschritt oder beim Kopfstand auf den Boxen übt. Ein gelungener Auftakt, für den die Lokalhelden Maria & The Rhyhtm Boosters mit einem überzeugenden Auftritt den Boden bereitet hatten.
Fotos (c) Michael Schaefer
11. Juli
SOPHIA, Support: MYLLER
Den zweiten Sommerabend eröffnet Myller, der aus seinem halbstündigen Solo-Gig als Support für Sophia das Maximum herausholt und einige neue Fans dazu gewonnen haben dürfte. Nach 20 Uhr geht dann die 31-jährige Sängerin auf die Bühne, für die die meisten der über 1.100 Gäste ins Honberg-Zelt gekommen sind. Das sehr junge Publikum (Sophia hat mit den Titelsong zum Kinofilm „Vaiana 2“ und zur Serie „Sofia die Erste: Königliche Zauberschule“ für Disney realisiert) geht von Anfang an mit und erweist sich als äußerst textsicherer Chor. Gänsehaut, untermalt von einer klasse Lightshow, als zum Song „So viel schöner“ sogar eine Besucherin zum Duett auf die Bühne darf oder als sich Sophia bei der ersten Zugabe „Schmetterling“ unter ihre Fans mischt. Fannähe dann auch beim Meet & Greet im Anschluss, wo sich die Sängerin im Anschluss an den 100-minütigen Auftritt noch viel Zeit für ihre Fans nimmt und geduldig jeden Autogramm- und Fotowunsch erfüllt.
Fotos (c) …
12. Juli
CAFÉ DEL MUNDO
Café del Mundo ist pure Lebensfreude verspricht ihre Website. Und was Alex Kilian und Jan Pascal im fast voll besetzten Zelt bei ihrer Festivalpremiere auf den Honberg bringen, das ist pure Lebensfreude! Mehr als zwei Stühle, zwei Gitarren und zwei Mikrofone brauchen die beiden Ausnahmekönner nicht, um einen Auftritt auf Weltniveau zu präsentieren, bei dem manch einem im Publikum vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Sie schaffen eine Magie, die lange nachklingt (um noch einmal die Homepage zu zitieren). Magisch auch die Verbindung zu ihrem Publikum, das die beiden sehr gegensätzlichen Künstler feiert, als gäbe es kein Morgen. Dabei gerät der zweite Programmteil – der Bogen spannt sich von Anleihen bei Johann Sebastian Bach bis zum Coldplay-Cover „Viva la Vida“ – nach der Pause noch fulminanter und intensiver als der erste. Keine Frage, das war eine erstklassige Empfehlung für eine Wiedereinladung …
Fotos (c) Michael Schaefer
13. Juli
„SPLENDID“, Das Honberg-Varieté 2026
Fasziniernd! Wenn es eine Vokabel gibt, die diesen Abend treffend beschreibt, dann passt vielleicht diese. Ein ausverkauftes Haus (nein, Zelt), ein lauer Sommerabend, ein bestens gelauntes Publikum … alles Ingredienzien für einen gelungenen Abend. Rund machen ihn freilich die exzellente Choreografie, blendende Regieeinfälle von Sammy Tavalis, eine exquisite Lightshow, der stimmige Soundtrack und vor allem die elf jungen Artistinnen und Artisten des Absolventen-Jahrgangs 2026 der Staatlichen Artistenschule Berlin. Können, Herzblut und Persönlichkeit berühren, überraschen und begeistern das Tuttlinger Publikum wieder und wieder. Und moderne wie klassische Tanzsequenzen zwischen den artistischen Höhepunkten verbinden die einzelnen Nummern zu einem fließenden, strahlenden Gesamterlebnis. Alles in allem eine Show, die das 70-jährige Jubiläum der Staatlichen Artistenschule würdig feiert. Die standing ovations zum Ende waren da fast zwangsläufig …
Fotos (c) Michael Schaefer
14. Juli
ELISION & MARTIN O., Die A Cappella Nacht 2026
Was für eine „Nacht der Stimmen“ im restlos ausverkauften Zeltrund! Neu auf dem Honberg ist die 12-köpfige Formation Elision aus England, die nach dem Konzert vom bisher schönsten Auftritt ihrer noch jungen Karriere schwärmt. Das Publikum feiert sie nach dem Ende ihrer 60-minütigen Show mit zahlreichen Covers bekannter Songs wie Lady Gagas „Abracadabra“. Dann nach der Pause Martin O.: Der Schweizer Stimmkünstler ist ein Honberg-Stammgast. Das merkt man, wenn er brüllend komisch über einen „boring day in Tuttlingen“ singt und die Zuschauer im Geiste mit an die Donauversickerung nimmt, mit ihnen über das Ä im Gränzboten witzelt oder über einen Besuch im „Anima“. Tosenden Applaus gibt’s für ihn schon ab der ersten Nummer – und ab seiner kongenialen Version von Elton Johns „Circle of Life“ steht das Publikum. Die Zugabe leitet Martin O. mit Blick auf die standing ovations mit „Und ich dachte schon, Ihr wollt schon gehen“ ein: zum 2010er WM-Song „Waka Waka“ (Shakira) scheidet weit weg in Texas Frankreich im Halbfinale mit 0:2 gegen Spanien aus. Das ist an diesem Abend aber Nebensache …
Fotos (c) Michael Schaefer
15. Juli
RIAN, SPECIAL GUEST: EALA
Der erste Regen im Festivaljahr 2026 hört pünktlich mit Konzertbeginn auf – und der Abend im Zelt fängt mit der Udo Lindenberg-Panikpreis-Trägerin Eala an. Die liefert eine freche und musikalisch spannende Supportshow, die sie nach rund 35 min mit „Weißwein“ beendet. An Rian übergibt sie ein bestens „vorgeheiztes“ Publikum. Der österreichische Shooting Star startet dann seine „Blumendisko“-Show in der „wahnsinnig wunderschönen Location“ (O-Ton Rian) gleich mit Vollgas und lässt sich vom mit knapp 700 Zuschauern eher schwach besetzten Zelt (in Österreich füllt er längst große Hallen) nicht die Laune verderben. Die, die da sind (darunter zahlreiche Landsleute von Rian), sind super drauf und singen fast jedes Lied lautstark mit – egal ob’s in „Fehler passieren“ um Sternzeichen oder im „Narzissmus Walzer“ um die Selbstinszenierung in sozialen Medien geht. Bei Rian lohnt sich’s hinzuhören. Wie schreibt die Rezensentin des Gränzboten: „Humorig, lustig, auch mal frech oder melancholisch, aber immer mit dem Ziel, den Regen und all den anderen Mist da draußen für eineinhalb Stunden zu vergessen.“ Die ohnehin hervorragende Stimmung kocht spätestens mit dem vierten Song des Abends („Urlaub auf der Autobahn“) über. Klar, dass es ganz zum Schluss auch ein „Verwandschaftstreffen“ gibt …
Fotos (c) Michael Kienzler
16. Juli
JORIS, VERY SPECIAL GUEST: GREGOR HÄGELE
Seinen ersten (und größten) Hit hebt sich Joris bis ganz zum Schluss auf: „Herz über Kopf“ beschließt kurz vor dem „strict curfew“ um 23 Uhr einen denkwürdigen Konzertabend, an dem sowohl der Hauptact als auch sein Very Special Guest Gregor Hägele zeigen, was Livemusik ausmacht. Dass nur knapp 900 Besucher den grandiosen Auftritt der beiden auf dem Honberg sehen wollen, trübt in dem Moment die Freude höchstens bei den Veranstaltern. Mit „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ hatte Joris mit seiner neu zusammengestellten, spielfreudigen Band sein Konzertset eröffnet, in das er Songs von jedem seiner vier Alben packt. Natürlich ist auch der zum viralen TikTok-Hit mutierte „Sommerregen“ dabei. Balladen wie „Glück auf“ wechseln sich mit „Abgeh“-Nummern und zeigen die ganze Bandbreite des Künstlers. Und als der zwischendurch von der Bühne mitten ins Publikum geht und dort ein kleines Akustik-Set spielt, kocht die Stimmung vollends über. Vor Joris geht Gregor Hägele auf die Bühne. Der ist bei seinem dritten Honberg-Auftritt Garant dafür, dass das Publikum auf Betriebstemperatur kommt. Ein bärenstarker, einstündiger Gig, den der 26-Jährige im Duo absolviert und dabei maximal abliefert. Hier spielt einer, der weiß, wie man ein Publikumsinteraktion im Sturm nimmt! Fast sicher, dass wir von ihm noch einiges hören werden.
Fotos (c) Michael Schaefer
17. Juli
CLOCKCLOCK
Für viele war’s einer, wenn nicht der Höhepunkt im Line Up des diesjährigen Festivals, eines der ersten ausverkauften Konzerte war es auch: Kein Wunder, schließlich können ClockClock rund um Frontmann Bojan „Boki“ Kalajdzic, der auch schon in der VOX Show „Sing meinen Song (Das Tauschkonzert)“ zu sehen war, mit Hits wie „Someone Else“, „Brooklyn“, „Sorry“ u.v.a. auf zahlreiche Chartserfolge verweisen. Nicht nur diese Songs sind es, bei denen das Publikum fast jeden Refrain, jede Zeile mitsingen kann. Sänger und Taktgeber Boki, die Haare raspelkurz, das wird schnell klar, steht im Mittelpunkt der Show, die als Erstes mit einem sehenswerten Bühnenbild aufmerksam macht. Bokis Intros zu den einzelnen Songs – beginnend mit einer kleinen Liebeserklärung ans Tuttlinger Festivalteam – geraten manchmal zur Plauderei, die ihm das Publikum aber vor allem bei der sehr ausführlichen und liebevollen Vorstellung seiner Band nicht übel nimmt. Die Clubatmosphäre im ausverkauften Honberg-Zelt gefällt ihm, das wird schnell deutlich: nah und direkt, das ist sein Ding. Mit einer Coverversion von Bosses „Schönste Zeit“ gibt es neben einer Tanzeinlage auch einen Ausflug ins Deutsche. Zum Ende tanzende Fans, leuchtende Farben, verschwitzte, aber überglückliche Gesichter, denn ClockClock liefern mehr als ein Konzert. Sie liefern das Gefühl, dass es sich lohnt zu träumen …
Fotos (c) Michael Schaefer
18. Juli
BEYOND THE BLACK, SUPPORT: VANISH
Den härtesten Abend des diesjährigen Festivals eröffnen die Stuttgarter Vanish – und was für ein Einstieg! Der Progressive-Power-Metal-Fünfer legt mit druckvollem Sound den perfekten Grundstein für das, was danach kommen sollte. Vanish, lokale Szene-Veteranen aus der Stuttgarter Ecke, die schon seit über 20 Jahren unterwegs sind, wissen schließlich ganz genau, wie man ein Publikum auf Betriebstemperatur bringt. Ein klasse Auftritt! Dann folgt das nächste Highlight mit dem Headliner Beyond The Black. Mit Jennifer Haben an der Front, die stimmlich an diesem Abend schlicht keine Grenzen zu kennen scheint, donnert die Symphonic-Metal-Band mit Vollgas in eine nahezu ausverkaufte Festivalzelt-Arena. Im Gepäck haben sie das aktuelle Erfolgsalbum „Break The Silence“ (Platz 2 der deutschen Albumcharts, Januar 2026) und über zweistündige Show, die keine Wünsche offen lässt. Alte Hits wie „In The Shadows“ oder „Songs Of Love And Death“ wechseln sich mit brandneuen Songs ab, die das Publikum schon mitsingen kann. Wenn Jennifer dann die großen Balladen anstimmt und das gesamte Zelt mitschwingt, ist das Gänsehaut pur. Wacken, Hellfest, Graspop – Beyond The Black haben in ihrer noch jungen Karriere schon die ganz großen Bühnen der Welt bespielt. Dass sie erneut auf dem Honberg spielen, war ein Glücksfall für Tuttlingen. Was bleibt: Ein prima Abend mit zwei außerordentlichen Bands, die wir gerne wieder in Tuttlingen hören.
Fotos (c) Paul und Tine Bossenmaier, Felix Gelijk, Michael Schaefer
19. Juli
MICHAEL SCHULTE
Ob’s an der „early show“ lag, dass zum Konzert von Michael Schulte und seiner Band „nur“ rund 800 Besucherinnen und Besucher kamen (bei seinem ersten Gig vor drei Jahren war das Zelt brechend voll)? Mag sein. Bereuen muss sein Kommen bei allerbestem Festivalwetter am frühen Sonntagabend jedenfalls niemand. Vom ersten Ton seines aktuellen Hits „Beautiful Reasons“ an, mit dem er die Show eröffnet, hat Schulte – die wilde Lockenmähne etwas gestutzt – sein Publikum voll im Griff und beweist sich einmal mehr als Vollblut-Entertainer und exzellenter Musiker mit dem richtigen Gespür für ein Livepublikum. Und ein Händchen für eingängige Melodien hat er sowieso. Aus seinem reichen Fundus an Chartserfolgen lässt sich eine Setlist zusammenstellen, die großartige Stimmung garantiert. Und Schulte liefert sie alle, seine bekannten Hits von „Back to the Start“ über „All I Need“ bis „For a Second“ oder „Remember Me“. Natürlich darf auch „You Let Me Walk Alone“ nicht fehlen, das zu einem emotionalen Höhepunkt des knapp 100-minütigen Konzerts gerät. Keine Frage: Michael Schulte ist ein begnadeter Liveact – und ans WM-Endspiel verschwendete während seines Auftritts wohl kaum einer im Festivalzelt einen Gedanken.
Fotos (c) Michael Kienzler
20. Juli
ANNA GREY & MYLE, Special Guest: CONSTANCE
Es gehört zu den schwierigsten Übungen der Honberg-Programmmacher: Mit Konzerten für junge Gäste das Zelt zu füllen. Durch Streaming und soziale Medien kennen viele Jüngere der Gen Z zwar sehr viele Künstler oberflächlich, aber nur wenige gut. So beschränken sich Konzertbesuche oft auf die wenigen Acts, die als „Must-see“ gelten. Auch der Kniff gleich drei junge musikalische Gäste auf die Bühne zu bringen verfängt nicht: gerade mal 300 Zuhörer füllen das Zelt leider nur spärlich. Dabei liefern die drei wirklich ab. Den Abend eröffnet die Tuttlingerin Constance Dizendorf (20), als Zweitplatzierte bei der diesjährigen DSDS-Staffel von RTL einem Millionenpublikum bekannt. Sie glänzt mit einer zu kurzen, aber wirklich eindrucksvollen gesanglichen Performance, bei der ihr Finalsong „Get Back Up“ nicht fehlen darf. Für viele das Highlight des Abends dann im Anschluss: Myle. Ein bärenstarker Auftritt, den der deutsch-amerikanische Künstler (bürgerlich Milo, 25) uns da mit seiner Band liefert. Authentizität, lässig-roughe Gitarrensounds und einen international anmutenden Pop-Vibe verbindet er mit viel Energie, catchy Hooks und eingängigen Melodien, die das Publikum sofort mitnehmen. Viele fühlen sich an Shawn Mendes erinnert. Und schließlich Anna Grey: satte 25 Songs packt sie in ihre knapp 70-minütige Setlist und passt sich damit der eher kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Gen Z an. Umrahmt von einer starken Lightshow gibt die 26-jährige Sängerin, die zuletzt mit Kontra K und Leony tourte, Songs wie „Schachmatt“, „Behalt Deine Tränen“, „Chat GPT“ oder „Aschemeer“ zum Besten, die der Gränzbote als kraftvollen Deutsch-Pop samt Electro- und Dance-Einflüssen klassifiziert. Die Fans sind glücklich.
Fotos (c) Michael Kienzler, Felix Gelijk
21. Juli
MÜNCHENER FREIHEIT
Und wieder eine „sold out show“! Über 1.300 Musikfans sind’s, die mit der Münchcner Freiheit einen musikalischen Ausflug in die (eigene) Vergangenheit unternehmen möchten – und die Kultband um das letzte verbliebene Gründungsmitglied Aron Strobel (Gitarre) holt sie ab: Mit „Tausendmal Du“ von 1986 gibt’s schon als zweiten Song des Abends einen Titel, den nun wirklich jeder im Konzertzelt mitsingen kann. Wer aber vermutet hatte, dass hier womöglich nur alte Gassenhauer lustlos-routiniert abgespult würden, wird überrascht: auf der Bühne agiert zu sattem Sound eine spielfreudige Band, die wie ihr Publikum sichtbar Spaß an ihrer Premiere im Honberg-Zelt hat. Immer wieder geht Sänger Tim Wilhelm – manchmal gar zu ausufernd – auf seine Fans ein, bedankt sich artig bei Technik- und Festivalcrew. Die größten HIts kommen dann im letzten Drittel des Konzerts „SOS“, „Oh, Baby“, „Bis wir uns wiedersehen“ und „Ohne dich (schlaf ich heut‘ Nacht nicht ein)“. Und nach knapp 100 Minuten dann als Zugabe der Song auf den alle gewartet haben: „So lang man Träume noch leben kann“. Wer danach nicht guter Laune den Heimweg antritt, dem ist vermutlich kaum zu helfen.
Fotos (c) Paul und Tine Bossenmaier, Michael Schaefer
23. Juli
GOTTHARD, SUPPORT: DARK SKY
Ausverkauft! Ideales Festivalwetter! Bestens gelauntes Publikum! Und dennoch gibt es auch bei diesem Konzert von Gotthard einige langjährige Fans, die sich noch immer den bei einem tragischen Verkehrsunfall 2010 verstorbenen Frontmann Steve Lee zurück wünschen. Dabei liefern sein Nachfolger, der Australo-Schweizer Nic Maeder (er hat sogar ein bisschen Schweizerdeutsch für seine Intros gelernt) und die Band um Gitarrist Leo Leoni und Bassist Marc Lynn wirklich ab. Dass Gotthard schon beim zweiten Stück des Abends eine Anleihe bei Deep Purple („Hush“) machen, verwundert zwar, ansonsten unterstreicht die Tessiner Hardrock-Band mit ihrem fast zweistündigen Gig aber, warum sie seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit im Line Up des Honberg-Sommers auftaucht. Die Songs vom aktuellen Album „Stereo Crush“ funktionieren ebenso wie die bekannten Hits und nach der letzten Zugabe mit der Powerballade „Heaven“ schwelgt die Anhängerschaft kollektiv. Den Abend eröffnet hatten die Lokalmatadoren von Dark Sky um Sänger Frank Breuninger in gewohnt spielfreudiger Manier.
Fotos (c) Paul und Tine Bossenmaier, Nathalie Lang/metal.de, Michael Schaefer
24. Juli
PAPIS PUMPELS
Es ist fast nicht zu glauben, aber es war tatsächlich die erste „Pumpelnacht“ auf dem Honberg (oder gar in Tuttlingen?). Und sie war, so das einhellige Fazit der über 1.300 Besucher nach satten drei Stunden Programm, überfällig! Dass die Band um Frontmann Rainer „Papi“ Vollmer – weil verrückt nach dem Schlager der goldenen 70er-Jahre – jeden Weg auf sich nimmt, um diese Liebe in die Welt zu tragen, war bekannt. Der Weg nach Tuttlingen war nicht weit. Fast ein Heimspiel – und was für eines. Die Pumpels schöpfen aus dem reichen Fundus der Schlagerhits, die nun wirklich jeder kennt und mitsingen kann, interpretieren sie neu und verleihen so Udo Jürgens, Katja Ebstein, Howard Carpendale oder Jürgen Marcus‘ altbekannten Liedern ungeahnte Facetten, besingen ihre Liebe zum Bodensee oder machen aus den „Sounds of Silence“ mal eben ein „Herz voll Schlager“ und aus Harpos „Moviestar“ die „Schlagerstars“.. Auch ein Geburtstagsständchen im Elvis-Style für Andrea am Bierstand ist drin. Und mit „Hey Jude“ (Beatles) und einem Medley sagen die Pumpels, denen man die ehrliche Begeisterung über den Auftritt ansieht und abnimmt, pünktlich um 23 Uhr „Goodbye, auf Wiedersehen“. Das Fazit des Honberg kann nur lauten: „Eine neue Liebe …“
Fotos (c) Michael Schaefer
25. Juli
ALEXANDER EDER, SUPPORTS: MATAKUSTIX & ADINA
Und er macht es wieder! Mit einem Feuerwerk und einem Homecoming der ganz besonderen Art beschließt Alexander Eder mit seiner Band den 30. Honberg-Sommer. Man konnte Zweifel haben, ob ein drittes Konzert in drei Jahren an das Erlebnis beim Festivalabschluss 2025 heranreichen würde – aber der Niederösterreicher fegt sie weg, startet seinen Auftritt gleich mit Pyroeffekten und der ihm eigenen Energie – und die hält bis zum Ende. Immer wieder sucht Eder die Nähe zu seinem Publikum, verteilt Liebesbekenntnisse an Tuttlingen, ans Festivalteam und an seine Band, die für ihn“ nicht nur exzellente Musiker, sondern meine besten Freunde“ sind. Man nimmt es ihm ab. Er wünscht sich „ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre“, geht dafür quer durchs Publikum und erklettert einen der Zeltmasten um ohne Mikro und mit dem Publikum zu singen – und natürlich funktioniert auch das. Adina, die als Support den Abend eröffnet hatte, holt er für „Spürst Du das auch?“ zum Duett auf die Bühne. Den Curfew 23 Uhr reizt Alexander bis zur letzten Minute aus und bekennt, dass dieses Konzert „das schönste in meinem Leben“ gewesen sei. Nie waren die Rufe nach einer Zugabe lauter als nach seinem letzten Lied „Für diesen Moment“. Angesichts von so viel Livepower bleibt vom Auftritt von Matakustix, der im Duo als Special Guest gespielt hatte, fast nur die originelle Version von „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem „Dschungelbuch“ in Erinnerung.
Fotos (c) Linda Seiss/Schwäbische Zeitung,

