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Der 29. Honberg-Sommer 2025: Fassanstich mit Starbesetzung

Was, bitte, war denn das für ein fulminanter Start ins 29. Festival? Nicht nur der Sommer spielte (anfangs) phänomenal mit, auch den Biergarten hatte man zuletzt zum Auftakt nicht so brechend voll erlebt wie in diesem Jahr. Kein Wunder, hatte sich OB Michael Beck doch auch prominente Unterstützung zum Fassanstich geholt. Eric Bazilian und Rob Hyman – die beiden „Köpfe“ der Hooters – assistierten, bestens gelaunt, beim Festivalopening. Die beiden Schwergewichte der internationalen Musikszene erwiesen sich dabei als äußerst sympathische Zeitgenossen, waren aber an ihren Instrumenten dann doch deutlich versierter als im Umgang mit dem Hammer! Das Eröffnungskonzert meisterten sie jedenfalls souveräner.

Was danach an 16 weiteren Festivaltagen folgte, war ein Festival mit viel guter Laune, noch mehr Abwechslung, reichlich Wetterglück (wenn der Regen kam – und das tat er in der zweiten Woche öfter -, dann meist schon morgens oder am Nachmittag, so dass die Festivalgäste trocken blieben), tollen Acts auf den Bühnen und ganz ohne Zwischenfälle. Mit Ex-Nightwish-Frontfrau Tarja war neben Suzi Quatro und den Hooters noch ein weltweit bekannter Star am Start (ihr Konzert blieb allerdings, was den Besuch angeht, hinter den Erwartungen zurück) und das Experiment, zwei regionale Bands auf die Hauptbühne zu bringen, ging auf. Ein bisschen Schlager gab’s mit Melissa Naschenweng, wie überhaupt Österreich als Künstlerhort gut wie nie vertreten war, kamen doch mit Christina Stürmer und Alexander Eder gleich noch zwei Stars aus der Alpenrepublik. Die No Angels lieferten nicht nur ein klasse Konzert, das sich auch zwei Mal hätte ausverkaufen lassen, sondern zeigten sich als absolut angenehme Gäste auch abseits der Bühne. Die Tuttlinger Krähe und den Honberg-Sommer als die beiden erfolgreichsten Kulturformate der Stadt zum 25-Jährigen der Krähe zusammenzubringen, war ein Glücksgriff – und geriet zu einem der stimmungsmäßigen Festivalhighlights 2025. Und der Abräumer schlechthin war, wie schon im Vorjahr, Alexander Eder, der nebenbei noch Marlon Roudettes Rekord knackte, was die Ausdauer beim Autogramme geben angeht. Und der Überraschungserfolg des Jahres? Vielleicht Florian Künstler, der das Zelt leider nur zur Hälfte füllte, aber jeden und jede Einzelne im Rund voll überzeugte. Oder Adina, die – erst spät überhaupt angekündigt – im Vorprogramm von und im Duett mit Alexander Eder voll ablieferte? Oder doch Suzi Quatro, die eindrücklich unterstrich, dass Musik jung hält: was die quicklebendige 75-Jährige im Festivalzelt auf die Bühne zauberte, sprengte alle Erwartungen. Und die waren bei ihr sicher schon recht hoch gewesen …

11. Juli
THE HOOTERS 

„Eine bessere Eröffnungsband hätte sich der Honberg-Sommer kaum aussuchen können“, schrieb Stefan Rother als Rezensent für die Kulturseite der Schwäbischen. Stimmt. Im Rahmen ihrer „45 years“-Jubiläumstour spielt die Band aus Philadelphia, USA, nicht nur das ausverkaufte Eröffnungskonzert, sondern schickt ihre Köpfe, Eric Bazilian und Rob Hyman, auch gleich mal im Biergarten vorbei, wo sie OB Michael Beck beim Fassanstich assistieren. Das Konzert dann ein wahres Hit-Medley mit Rock, Folkelementen und Reggae-Rhythmen: „Johnny B.“, „Satellite“, „I’m Alive“, „All You Zombies“, „500 Miles“ und Covers wie „Time After Time“ oder „Boys of Summer“. The Hooters sind einfach „Garanten für mitreißende Konzerte“ (Rother). Wenn sie freilich Peter Schillings „Major Tom (Völlig losgelöst)“ anstimmen und auf Deutsch singen, dann scheiden sich immer die Geister …

Fotos (c) Lisa Klebaum/Gränzbote, Patrick Nädele

12. Juli
MR HURLEY & DIE PULVERAFFEN, COPPELIUS

Traditionell Hort bester Stimmung ist das Festivalzelt, wenn die „schwarze Nacht“ gastiert. Eingeladen haben die hoso-Macher anno 2025 dazu mit Coppelius aus Berlin die wohl einzige Band, die mit eigenem Butler reist. Ihr „Kammercore“ auf Schlagzeug, Kontrabass, Cello und Klarinette bereitet den Boden für einen spannenden Abend. Nach der Umbaupause dann die Band, für die – nach den Kostümierungen der Fans zu urteilen – die meisten angereist sind: Mr Hurley & Die Pulveraffen. Die vier Geschwister aus Osnabrück, reichlich Pfefferminzlikör und viel Lob für Tuttlingen sorgen zusammen mit ihrem Piraten-Folk und Grogg’n’Roll für beste Stimmung. Nicht nur beim traditionellen Shanty „Drunken Sailor“ als letztes Stück des Sets  kocht die Stimmung hoch und erweist sich das Publikum als erstaunlich textsicher. Applaus gibt’s aber auch für ein klares politisches Statement beider Bands zum Konzertende. Alle Hände voll zu tun haben dann nach dem Konzert „Brackwasser-Betti“ und „Meerwasser-Mary“, die Flagschiffe von Merchandise …

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Schaefer

13. Juli
TARJA, SUPPORT: FISCHER

Seit vielen Jahren schwirrte die Idee, die frühere Nightwish-Sängerin zu buchen, im Kopf von Programgestalter Berthold Honeker, aber die zeitlichen Vorstellungen waren nie unter einen Hut zu bringen. Für 2025 kam dann überraschend das Angebot eines von nur vier (!) Tarja-Konzerten im Bundesgebiet auszurichten. „Die Vorbereitung war ziemlich aufwendig mit zwei Damen aus dem Tourbüro, die jede Frage einzeln und gerne auch mal doppelt stellten, aber man darf festhalten: Was das Publikum und wir dann sehen durften, war jede Minute der Vorbereitung wert“, resümiert Berthold Honeker.

Tatsächlich: Nicht nur die Hardcore-Fans der Finnin sprechen am Ende der fast zwei Stunden von einem der besten Konzerte, das sie je auf dem Berg gesehen hätten … Tarja sorgt, von einer phantastischen Rockband getragen, vom ersten Ton an mit ihrem klassisch geschulten Sopran für Gänsehaut-Momente. Ihre Stimme, die im Rockzirkus ihresgleichen sucht, steht für Symphonic Rock der obersten Liga, der das Publikum im Handumdrehen überzeugt und gut 900 Fans sichtlich beglückt zurücklässt. Zuvor hatte Support Fischer aus dem Schwäbischen mit grundsolidem Hard und Screamrock den Abend eröffnet.

Fotos (c) Paul und Tine Bossenmaier, Patrick Nädele

14. Juli
ABSOLUT VARIETÉ, Das Honberg-Varieté 2025

An den Varietéabenden der beiden letzten Jahre schieden sich die Geister: die „Barbaren Barbies“ 2023 waren einigen zu laut, zu frech, zu schrill, zu sexy, die „neue“ Absolventenshow 2024 eine Revue aus Jungartisten, die nicht die Klasse früherer Jahre erreichte. Dieses Jahr soll alles besser werden – und dann verkündet die Staatlische Artistenschule im Januar das Aus der Absolventenshow. Karl-Heinz Helmschrot springt in die Bresche. Der Mann, der einst das Varieté auf den Honberg brachte, stellt für die Auflage 2025 nicht nur ein erstklassiges Programm mit Ehemaligen der Artistenschule zusammen, sondern lädt gleich noch eine Weltklasseartistin dazu ein und moderiert den Abend auch selbst kongenial. Das Programm zündet – und wie! Im fast bis auf den letzten Platz besetzten Zeltrund wird gestaunt, gelacht und mitgefiebert bei Antipodistin Antje Pode, die 1985 in Berlin ihre Ausbildung abschloss, und Johann Prinz (Strapaden und Equilibristik), der 2019 absolvierte. Luftartistin Iryna Hladka, die an der renommierten Zirkusschule in Kiev ausgebildet wurde, glänzt auch mit den Hula Hoops und Musik-Comedy-Virtuose Gabor „The Fluteman“ Vosteen erntet Lachsalven zuhauf. Da fällt es fast nicht ins Gewicht, dass die Canaval Twins mit ihrer Leuchtkeulen-Jonglage wegen Erkrankung passen mussten.

Fotos (c) Michael Schaefer

15. Juli
REBEL BIT & TWÄNG!, Die A Cappella Nacht 2025

Einer der HoSo-Dauerbrenner und alljährlich ein Erfolgsgarant – wenn die Qualität der (mindestens) zwei Ensembles stimmt. Und das tut sie auch in diesem Jahr, selbst wenn es nach mehr als zwei Jahrzehnten immer schwieriger wird, neue hochkarätige Gruppen zu finden. Rebel Bit aus Italien und Twäng! aus Freiburg sorgen für eine Nacht der Superlative, auch, weil beide Ensembles so unterschiedlich sind und dennoch alle abholen, die auf A cappella und höchste Qualität stehen. Das außergewöhnliche italienische Ensemble schafft aus vier Stimmen und einem Sounddesigner eine einzigartige Klangwelt, in der sich Gesang, elektronische Experimente, Erzählungen und Emotionen mischen. Mit Gefühl in der Stimme, Wumms im Bass und Power in der Performance begeistern vor der Pause die über 40 Sängerinnen und Sänger von Twäng! das Publikum – feinste A-Cappella-Popmusik, farbenfrohe Kleider und Anzüge und eine ausgefeilte Choreographie überzeugen. Und beim gemeinsamen Auftritt zum Schluss steht das ganze Zelt!

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Schaefer

16. Juli
DIE KRÄHE JUBILIERT!, Die Jubiläumsshow mit Heinrich del Core, Andrea Volk, Marc Haller, Martin O. und René Sydow

Volltreffer! Wer hatte nur die blendende Idee, den 25. Geburtstag der Tuttlinger Krähe auf dem Honberg zu feiern? Dazu eingeladen haben die Honberg-Macher fünf Künstler, die alle einen Vogel haben… oder zwei oder sogar drei (nämlich Martin O., der das Kunststück als Einziger in der Wettbewerbsgeschichte schaffte; einmal mit der Formation Hop o’ my thumb, einmal solo als Doppelpreisträger). Und jeder einzelne der Geburtstagsgäste schießt mit seinem Auftritt noch einmal den Vogel ab! Lokalmatador Heinrich Del Core zeigt sich als sympathisch-humoriger Moderator in Bestform und von Beginn an auf Betriebstemperatur. René Sydow, dem die undankbare Rolle des Openers zukommt, brilliert mit Sprachgewalt und Intellekt. Schon nach seinem Auftritt kocht das Zelt! Andrea Volk erntet mit ihren aus dem Leben gegriffenen Geschichten ein andere Mal Lachsalven. Dann die beiden Schweizer: Marc Haller überzeugt und verblüfft das Publikum in seiner Rolle als Erwin aus der Schweiz mit Zaubertricks und Comedy – eine gelungene Mischung! Und schließlich Martin O., der Stimmentänzer, der als Überraschungspräsent – auch für die Veranstalter – neben seine Symphonium-Loop-Gerät eine Diashow über 25 Krähe-Jahre dabei hat. Schöner hätte man den Geburtstag des Vogels nicht begehen können! Einziger Wermutstropfen: im Zelt bleiben fast 30 Plätze frei.

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Schaefer

17. Juli
WALTER TROUT, VERY sPECIAL GUEST: AYNSLEY LISTER 

Aynsley Lister, der im Trio das Konzert eröffnet, und Walter Trout stehen für zwei Bluesrockgenerationen. Da ist der mittlerweile 48–jährige Brite, der eigens für den Auftritt in Tuttlingen aus dem Vereinigten Königreich anreist. Nach acht Studioalben, drei Live-Alben und regelmäßigen Tourneen in ganz Europa hat er sich als Gitarrist, Sänger und Songwriter in der Blues- und Rock-Szene in den letzten 24 Jahren einen exzellenten Ruf erspielt und zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst, u.a. den „Song Of The Year“ bei den British Blues Awards 2014. Schon seine gut 10-minütige Version von Princes „Purple Rain“ rechtfertigt den Eintrittspreis. Der US-Amerikaner Walter Trout (74) gilt als Bluesrock-Ikone, spielte mit Größen wie John Lee Hooker, Canned Heat oder John Mayall und wird als Gitarrist in einem Atemzug mit Eric Clapton oder Jimi Hendrix genannt. Die gut 850 Besucher erleben einen Musiker, der -zuhause irgendwo zwischen Blues und Rock – die Musik im Blut hat und auch im achten Lebensjahrzehnt mehr Energie und Lebensfreude versprüht als viele deutlich jüngere Kollegen. Als er Punkt 23 Uhr mit dem Hinweis auf den strikten curfew von der Bühne geholt wird, meint er fast entschuldigend, dass er noch gerne weitergespielt hätte …

Fotos (c) Patrick Nädele

18. Juli
NO ANGELS 

Viel erwartet, noch mehr gehalten! Die No Angels gelten bis heute als Phänomen … auf das Live-Comeback im 25. Jahr der Bandgeschichte waren die Fans entsprechend gespannt. Und dann? Dann stehen die Engel auf der Bühne und es herrscht Ausnahmezustand auf dem Honberg! Das Zelt: natürlich ausverkauft! Die Stimmung: unbeschreiblich! Kein Wunder, denn wenn es hierzulande je gelungen ist, die perfekte Popformation zu casten, dann mit den Engeln, die an diesem Abend beweisen: das ist Popmusik, die bis heute funktioniert. Hits wie „Daylight in Your Eyes“, „There Must Be an Angel“ oder „Rivers of Joy“ zünden … und die großartig choreographierten Tanzmoves von Sandy, Lucy, Nadja und Jessica tun ein Übriges. Wie schrieb eine Besucherin nach dem Konzert auf instagram doch gleich? „Danke! Ich habe mich heute wieder wie 14 gefühlt!“ Und damit ist eigentlich alles gesagt … Am Ende gab es zwei Zugaben, heisere Fans und überall begeisterte Gesichter.

Fotos (c) Patrick Nädele

19. Juli
CHRISTINA STÜRMER, GaST: OSKA 

Wenn es ein Synonym für die sympathisch-nahbare Künstlerin schlechthin gibt, dann ist es wohl Christina Stürmer. Die 43-jährige Österreicherin versteht es im Honbergzelt jedem Einzelnen der 1.300 Fans das Gefühl zu vermitteln, dass sie ihr MTV unplugged Konzert allein für ihn spielt. Bei ihrem dritten Auftritt auf dem Honberg – dem ersten nach 2014, als noch Mark Forster als Support dabei war (diesmal übernahm, sehr überzeugend, Oska diesen Part) – kann sie aus einem satten Fundus von Hits und Covers (u.a. von Wolfgang Ambros, „Du bist wia de Wintasun“,  oder den Sportfreunden Stiller, „Ein Kompliment“) schöpfen, ehe das Konzert traditionell mit „Engel fliegen einsam“ ausklingt und beseelte Fans hinterlässt.

Fotos (c) Julia Davina Fritz, Patrick Nädele, Michael Schaefer

20. Juli
HE/RO 

Vollprofis mit Mitte 20? So was gibt es. Seit ihrer Kindheit stehen die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann aus Darmstadt im grellen Scheinwerferlicht. Als „Die Lochis“ haben sie ihre erste Karriere gemacht, waren die ersten Youtube-Stars hierzulande, landeten auch zahlreiche Hits („Mein letzter Tag“, „Ab geht’s“, „Lieblingslied“ oder „Dein Lied“) und freuten sich über ausverkaufte Touren und Kinofilme. Seit knapp fünf Jahren nennen Sie sich nun He/Ro. Erwachsen und reifer sind sie geworden und stehen für deutschen Pop-Rock der Generation Z. Mit ihrem zweiten Album als He/Ro („Kein Grund zur Panik“) stehen sie auf der Bühne im gut zur Hälfte gefüllten Festivalzelt. Ihr Gitarren lastiger Pop-Rock erinnert hier und da an Bands wie die Killerpilze oder Kraftklub, die Texte sind für die Social-Media-Generation gemacht, handeln von Beziehungen und Trennungen („Jetzt weinst du“, „Wünsch dir das Beste“) und überraschen durchaus auch mal mit gesellschaftlicher Relevanz, wenn es um Mobbing, Krieg, eine gespaltene Gesellschaft oder die Klimakatastrophe geht. Die Fans feiern sie begeistert und gehen das gnadenlose Tempo, das die beiden mit ihrer Band auf der Bühne vorlegen, voll mit. Ein überzeugender Auftritt bei der ersten „early show“ in der Festivalgeschichte …

Fotos (c) Michael Schaefer

21. Juli
SUZI QUATRO 

Als Queen of Rock’n’Roll angekündigt, liefert sie ein Konzert, das in die Honberg-Annalen eingeht: was Suzi Quatro mit ihrer exzellenten Band dem euphorischen Publikum im restlos ausverkauften Zelt bietet, ist Rock’n’Roll pur! Eigene Hits, aber auch Songs wie Neil Youngs „Rockin‘ in the free world“ sorgen in den über zwei Konzertstunden für pure Begeisterung und eine rasante Zeitreise durch die 70er und 80er. Und stimmungsvoller als mit dem Cover des Eagles-Klassikers „Desperado“, nur am Klavier begleitet, hätte das Konzert der authentischen und sympathischen US-Amerikanerin dann kurz vor 22:30 Uhr nicht enden können … Auch backstage erweisen sich Suzi und Ehemann Rainer, der es sich nicht nehmen lässt, die Reise von Hamburg an die Donau mitzumachen, als tolle Gäste.

Fotos (c) Paul und Tine Bossenmaier, Patrick Nädele, Michael Schaefer

22. Juli
FLORIAN KÜNSTLER 

Er ist Liedermacher und Geschichtenerzähler: Der Lübecker und Wahl-Berliner Florian Künstler liefert bei seiner Premiere auf dem Honberg mit seiner Band einen komplett überzeugenden Gig ab. Er verteilt Liebeserklärungen an seine Frau, an seinen Tuttlinger „Chor“ und an die Stadt, deren Namen er nicht kannte, in die er sich aber beim Blick vom Honberg-Turm schockverliebte („ein Modelleisenbahn-Anblick“). Und er spielt alle seine kleinen uns größeren Hits („Kleine Finger Schwur“, „Weiße Haare“ …) und Songs, die das Zeug dazu haben. Ein Konzertabend, der deutlich mehr als die gut 500 Besucher verdient gehabt hätte, die sich auf Florian Künstler bei dessen erstem Auftritt beim Honberg-Sommer eingelassen haben …

Fotos (c) Michael Schaefer

24. Juli
MELISSA NASCHENWENG 

Die „Alpenbarbie“, in modisches Pink gewandet, in ihrer Heimat bereits ein Star, gilt aktuell als heißester (zollfreier) Exportartikel der Alpenrepublik. Und beim Honberg-Sommer demonstriert sie, weshalb. Mit ihrem mitreißenden Mix aus Schlager, Pop, Rock und volkstümlichen Einflüssen und einer durchchoreografierten Show fasziniert Melissa Naschenweng auch im Festivalzelt als waschechte Vollblutmusikerin, als Sängerin und als Instrumentalistin ein generationenübergreifendes Publikum aus Jung und Alt, das ihr regelrecht zu Füßen liegt. Zu hören gibt`s neuere und neue Songs und Lieder, aber eben auch die Klassiker, mit denen sie bekannt wurde wie „I steh auf Bergbauernbuam“. Dabei ist die Kärtnerin immer nah an ihrem Publikum, zeigt sich als Künstlerin zum Anfassen. Nicht ganz ausverkauft war der Abend, aber man kann sicher sein: Ein zweiter Anlauf sorgt für ein brechend volles Zelt.

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Schaefer

25. Juli
THE KENTUCKY BOYS, MAB 

Was für ein gelungenes Experiment! Die Nacht der „local heroes“ mit den Kentucky Boys und MAB, der Möhringer Allstar Blues Band, zündet vom ersten Ton an und reißt die 700 Besucher im Festivalzelt sofort mit. Der sichtbare Spaß, den die Musiker auf der Bühne haben, überträgt sich schnell aufs Publikum, das sich im ersten Konzertteil von den Rockabilly Sounds der Emminger Kentuckies und nach einer kurzen Umbaupause vom Powersound der MAB mitnehmen lässt. Ein Abend, der gute Musik bringt und einfach Spaß macht – und der manche Besucher staunen lässt, wieviel Potential „vor der eigenen Haustüre“ schlummert. MAB-Gitarrist Andy Burkert bedankt sich für die Chance auf Tuttlingens wichtigster Bühne zu stehen und macht eine „Liebeserklärung“ an Berthold Honeker, dessen Verdienste um die Kultur und die Musik in Tuttlingen während der letzten fünf Jahrzehnte er lobt.  Das Konzertfinale bestreiten beide Bands dann gemeinsam mit einem granidosen Medley aus Klassikern wie Jerry Lee Lewis‘ „Great Balls of Fire“ oder Elvis‘ „Jailhouse Rock“!

Fotos (c) Michael Schaefer

26. Juli
ALEXANDER EDER, SUPPORT: ADINA

Mehr Energie in zwei Konzertstunden packen? Geht nicht! Was Alexander Eder am letzten Festivalabend 2025 abbrannte, war das wohl heißeste musikalische Feuerwerk beim #hoso25. Schon im Vorjahr frenetisch gefeiert, spielt der 26-Jährige aus dem österreichischen Neuhofen an der Ybbs diesmal vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Zelt. Ständig in Bewegung, stimmlich eine Klasse für sich und mit reichlich Pyro- und Konfettieinsatz verlangt Alexander Eder seinem Publikum alles ab – und gibt selber noch ein bisschen mehr (übrigens auch nach dem Konzert bei der Erfüllung wirklich aller (!) Autogramm-, Foto- und Selfiewünsche … und es waren sehr viele!). Ein Auftritt, der geradezu nach einer Wiedereinladung verlangt; denn stimmungsgeladener hätten die Abendkonzerte 2025 überhaupt nicht enden können. Den Boden für den Star aus Niederösterreich bereitet hatte zuvor Special Guest Adina: die  junge Wahl-Heidelbergerin überraschte nicht nur beim bärenstarken Power-Duett mit Eder („Spürst Du das auch?“), sondern auch zuvor mit ihren eigenen Songs. Wie schrieb eine Besucherin? „Adina, Du warst der schönste Beginn dieses Konzertabends.“ Wir pflichten bei …

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Schaefer

27. Juli
HEAVYSAURUS 

Zum (erneut ausverkauften) Festivalabschluss ein Nachmittagskonzert, das zweite mit Deutschlands erster und einziger Dino Metal Band. Acht Tage vor ihrer Premiere bei dem Schwermetall-Event schlechthin, dem legendären W:O:A., begeistern die vier Dinos und der Drache an der Gitarre 700 kleine Dino Metal Heads und rund 600 Eltern und Großeltern mit Covers u.a. von Scorpions und Iron Maiden und eigenen Hits wie „Kaugummi ist mega“ oder „Spring in unser’n Powerkreis“ auf der „Pommesgabel Reload Tour“. Und nach Konzertende strahlt noch mal die Sonne mit den Kids um die Wette … ehe, nachdem die Konzertgäste den Honberg schon verlassen haben, ein heftiger Hagelschauer den Schlussakkord für den Honberg-Sommer 2025 setzt.

Fotos (c) Paul Bossenmaier