Der 25. Honberg-Sommer 2019

Das Jubiläumsfestival! 25 Jahre Honberg-Sommer … und wir sind immer noch da. Das Festival startet bei hochsommerlichen Temperaturen und mit einem „SaMTV unplugged“-Konzert, das viele Vorurteile gegen die Rap- und HipHop-Szene widerlegt (und einige auch bestätigt). Und dann? Was an 16 weiteren Festivaltagen folgt, ist ein Jubiläumsevent „wie gemalt“. 16 wunderschöne Sommertage ohne Regen, 13 ausverkaufte Konzerte, über 18.000 BesucherInnen im Zelt, gut 50.000 Gäste, zählt man den Biergarten hinzu und eine ausgelassen-fröhliche Stimmung. Anklang finden der jetzt komplett öffentliche Fassanstich und das neue Sponsorenevent im kleinen Burghof, die Silent Disco-Abende tun sich da deutlich schwerer, wie so manches Neue in Tuttlingen. Die neue Biergartenüberdachung setzt optisch neue Akzente und die Biergartenbühne platzt bei manchen Auftritten aus allen Nähten.

Und dann sind da die famosen Konzertmomente, die lange in Erinnerung bleiben dürften und bei denen die Auswahl, was denn nun die Festivalhighlights waren, mehr als schwer fällt: War’s Angelo Kelly, der uns in den sozialen Medien das schönste „Dankeschönvideo“ postet? Oder Milow, der seinen stimmmungsvollen Auftritt inmitten des Publikums beginnt und uns mit Marius Baer wohl den Support-Überraschung des Festivals 2019 präsentiert? Oder doch die irische Band Kodaline, um deren Verpflichtung wir uns so lange bemüht haben? „Aller guten Dinge sind drei“ gilt für Doro, die den besten und intensivsten ihrer drei starken Honberg-Gigs hinlegt. Shooting Star Alvaro Soler glänzte nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne und mit seinem gut zweistündigen Interview-Fanselfie-und-Autogramm-Marathon. Neben ihm sind überzeugende Gäste wie Joris, Namika oder Kodaline für einen – mit Blick aufs Durchschnittsalter im Zelt – der jüngsten Honberg-Sommer in zweieinhalb Jahrzehnten verantwortlich. Und vor allem der leider am schwächsten besuchte Honberg-Abend 2019 mit Ex-Deep Purple Bassist und Sänger Glenn Hughes geht in die Annalen des Festivals ein! Auf ins nächste Vierteljahrhundert …

05. Juli
Samy Deluxe & DLX Ensemble, Support und Special Guest: Horst Wegener, Chefket

Krachende Festivaleröffnung im ausverkauften Zelt: Rappionier Samy Deluxe testet mit über 20 Mitwirkenden die Kapazitäten der Bühne auf dem Honberg voll aus! Die Liveversion seines grandiosen „SaMTV unplugged“-Albums  erfüllt alle Erwartungen und hinterlässt eine restlos begeisterte Fancrowd – und einige neue Bewunderer seiner Musik. Die akustische Rückschau auf zwei Jahrzehnte Deutschrap zeigte ganz neue Facetten eines Künstlers, der was zu sagen hat.

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Kienzler

06. Juli
Angelo Kelly & Family

Zwei Jahre nach Bruder Michael Patrick besucht mit Angelo Kelly das musikalische Mastermind hinter der Reunion der Kelly Family den Honberg. Und Angelo kommt nicht alleine: Mit seiner Frau Kira, den fünf Kindern und Band spielt Angelo im restlos ausverkauften Festivalzelt vor begeistertem Publikum sein Programm „Irish Summer“ – auch eine Reminiszenz an seine irische Heimat.

Fotos (c) Patrick Nädele, Tine Gennaio

07. Juli
Willy Astor

Allen wenig erquicklichen Wettervorhersagen zum Trotz an einem sonnigen Nachmittag und an einem weiteren lauen Sommerabend spielt Stammgast Willy Astor am ersten Honberg-Sommer-Sonntag gleich zwei Mal im Festivalzelt: Um 15 Uhr gibt’s mit Band das köstliche Familienprogramm „Der Zoo ist kein logischer Garten“, am Abend liefert der Münchener dann solo sein „Jäger des verlorenen Satzes“ im (natürlich wieder) bis auf den letzten Platz besetzten Zeltrund ab.

Fotos (c) Patrick Nädele, Janika Mägerle, Helmut Liermann

08. Juli
Schmidbauer/Pollina/Kälberer

Ein Jahr nach ihrem umjubelten Auftritt mit „Süden – Ritorniamo“ füllten Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer mit dem neuen Programm „Süden II“ das Honbergzelt wieder bis auf den allerletzten Platz. Das zweieinhalbstündige Programm ließ dann auch keine Wünsche offen: nachdenklich, emotional, gefühlvoll, leidenschaftlich und durchaus auch energiegeladen und rockig – die drei Ausnahmekönner zeigten sich extrem wandlungsfähig und hinterließen restlos begeisterte Fans und neue Anhänger ihrer Musik.

Fotos (c) Michael Kienzler, Patrick Nädele

9. Juli
Alvaro Soler, Special Guest: Good Weather Forecast

Hola! Ganz großes Kino bietet Superstar Alvaro Soler seinen über 1.500 Zuschauern. Sympathisch, entspannt und nahbar hinter der Bühne, präsentiert der deutsch-spanische Sänger seine Tophits wie „La Cintura“, „Sofia“ oder „El mismo sol“. Unterstützt von einer exzellenten Band versprüht Soler Energie und Lebensfreude pur – und steckt alle im Zelt an diesem Abend damit an. Da vergisst man dann auch die kühlen Abendtemperaturen nach einem wunderbaren Sommertag. Einen klasse Auftritt liefert auch Good Weather Forecast aus Nürnberg als Support. Ein Abend, den niemand so schnell vergisst!

Fotos (c) Patrick Nädele, Michael Kienzler

10. Juli
Kodaline, Special Guest: Josh Savage

In ihrer Heimat und auf der britischen Insel längst Topstars und als legitime Nachfolger von Coldplay gehandelt, haben sie beim Honberg-Sommer den Status des „Geheimtipps“: Kodaline aus Irland. Das Quartett aus Dublin fing die rund 1.000 Konzertbesucher mit seiner elegischen Mischung aus Alternative-Rock und Indie-Pop im Handumdrehen ein. Große Hymnen, eingängige Refrains und tiefe Gefühle sind es, was ihre Musik ausmacht. Die Lightshow tat ein übriges. Zudem zeigten sich die vier gelegentlich als unnahbar bezeichneten Iren gut gelaunt und äußert sympathisch. Die größten Hits, „All I want“ und „High Hopes“, gab es ganz zum Schluss des 90-minütigen Programms als Zugabe.

Fotos (c) Michael Kienzler

11. Juli
Beth Hart

Ein Ereignis! Als nicht weniger dürften den allermeisten der 1.300 Gäste im ausverkauften Zelt die knapp 100 Konzertminuten und der energiegeladene Auftritt des US-Stars in Erinnerung bleiben. Eine absolute Ausnahmestimme, ein emotionaler Auftritt (bei dem Beth Hart auch ihrem Manager zu dessen 70. Geburtstag ein Geburtstagsständchen mit Publikumschor brachte) und eine Band aus Könnern, die sich zugunsten ihrer Frontfrau nicht in den Vordergrund spielten. Für die großteils weit gereisten Zuschauer hat sich der Weg auf den Honberg mehr als gelohnt …

Fotos (c) Patrick Nädele

12. Juli
Joris, Special Guest: Mary Lou
Vor drei Jahren noch Support für Laith Al-Deen, kommt Joris diesmal als Headliner auf den Honberg. Mit dabei: Mary Lou, von Joris selbst als Special Guest ausgewählt. Mit dabei leider auch: der erste Regen im Festivaljahr 2019, der kurz, aber heftig nach 22 Uhr aufs Zelt prasselt. Der stört aber keinen, der 1.300 glücklichen Ticketbesitzer, denn drinnen feiert Joris mit seinem Publikum eine Party der Extraklasse mit Hits wi „Du“, „Signal“ oder „Herz über Kopf“ – und kommt zum Finale dann noch zu den beglückten Fans.


Fotos (c) Michael Kienzler, Patrick Nädele, Julia Davina Fritz

13. Juli
Matthias Reim

Vollgas! Und damit ist dann treffend beschrieben, wie Matthias Reim sein Honberg-Sommer-Konzert 2019 angeht: Fast 2 1/2 Stunden lang bringt er ein Programm mit den Hits seiner Karriere, seines aktuellen Albums Meteor und mit dem krachenden „Eiskalt“ auch einen Song vom neuen Album, für das er die Studioaufnahmen eben erst abgeschlossen hat. Reim beweist allen, die ihn noch für einen „braven Schlageronkel“ hielten, dass er (Rock-)Musiker und Sänger mit Leib und Seele ist. Die Nachricht, dass er 2021 wieder auf den Honberg kommt, sorgt für Jubelstürme …

Fotos (c) Michael Kienzler, Patrick Nädele

14. Juli
A Cappella Nacht (Gretchens Antwort, Anders, Cash’n’Go)

„Große Stimmen auf dem Honberg: A Cappella hoch drei“ titelt der Gränzbote … und treffender kann man das diesjährige Festival der Stimmen nicht zusammenfassen. „Anders“ aus Freiburg, die vier Berlinerinnen von „Gretchens Antwort“ und die Augsburger Formation „Cash’n’Go“ verzichten an diesem Abend auf instrumentale Unterstützung und begeistern mit Gesangskunst in unterschiedlichsten Schattierungen die 700 BesucherInnen im seit Monaten ausverkauften Zeltrund!

Fotos (c) Helmut Liermann

15. Juli
Varieté „SPIN!“ – Die Absolventenshow
Und noch mal zitieren wir das Extrablatt unseres Medienpartners, der beim diesjährigen Varietéabend „Drehwurm im Zelt“, „Schwindel beim Zuschauen“ und „Großen Wirbel beim Finale“ ausmachte. Und tatsächlich war der Name des Programms, „Spin!“, wörtlich zu nehmen, drehte sich doch bei der Absolventenshow 2019 der Staatlichen Artistenschule aus Berlin alles. So wurde der Abend mit (auch Live-)Musik und Akrobatik, bei dem Karlheinz Helmschrot Regie führte, zur runden Sache!

Fotos (c) Patrick Nädele, Helmut Liermann

16. Juli
Milow, Special Guest: Marius Baer

Nach drei Jahren Pause wieder auf dem Berg: Milow! Der belgische Star überzeugte auch bei seinem zweiten Auftritt in Tuttlingen voll und ganz. Nicht nur eigene Hits (auch vom neuen Album „Lean Into Me“) brachte der sympathische Sänger, sondern auch deutsche (!) Hits seiner „Sing meinen Song“-Kollegen. Die Überraschung des Abends war aber für viele im restlos gefüllten Zelt der Support aus der Schweiz: Der Appenzeller und Wahl-Londoner Marius Baer rockte, von Milow höchstpersönlich eingeladen, als Special Guest mit seiner Band die Bühne! Ein junger Künstler, von dem man noch hören wird …

Fotos (c) Patrick Nädele, Helmut Liermann

17. Juli
Namika, Support: Parallel

Ein herrlicher Sommerabend, mit Parallel ein wirklich starker Support und der „Lieblingsmensch“ des Publikums auf der Bühne: Namika nahm die fast 1.500 BesucherInnen im ausverkauften Festivalbereich mit ihrem Auftritt im Rahmen ihrer „Que Walou“-Tour vom ersten Takt an mit (dank Sunshine Tickets hatten auch noch viele Kurzentschlossene die Chance genutzt ihren Star live zu erleben). Textsicher zeigten sich dabei nicht nur die jüngsten Fans in den ersten Reihen. Die Hit-Single „Je ne parle pas français“, den Nr.1 Sommer-Hit 2018, gab’s als Remix und letzte Zugabe gleich zwei Mal zu hören …

Fotos (c) Patrick Nädele

18. Juli
Kim Wilde, Support: Sparrohs

What a Night! Das Festivalzelt wurde für die knapp 1.100 ZuschauerInnen zum Tempel der guten Laune: Kim Wilde, einst als „Princess of Pop“ mit Michael Jackson auf Welttournee, nahm ihre teils weit gereisten Fans mit Tophits wie „Cambodia“ (das sie gleich als Opener spielte), „Chequered Love“ oder „Kids in America“ (als letzte Zugabe) auf eine Zeitreise in 1980er. Einen mindestens ebenso Energie geladenen Auftritt lieferten im Vorprogramm Sparrohs – musikalisch wie optisch mitreißend, knackte die international besetzte Band mit ihrem Hot Rock sogar die Kim Wilde-Hardcorefans in den ersten Reihen.

Fotos (c) Michael Kienzler

19. Juli
Doro, Special Guests: Hardbone

Wenn es eine Künstlerin gibt, die in besonderem Maß für authentischen, ehrlichen Rock und gelebte Fannähe steht, dann wohl Doro Pesch! Seit Jahrzehnten ist sie, international erfolgreich, die deutsche Metal Queen. Und Doro liefert auch auf dem Honberg alles, was ihre Fans erwarten … und ein bisschen mehr. Erst der 23 Uhr-Curfew beendet ein überzeugendes Konzert im ausverkauften Festivalzelt, bei dem allenfalls das Judas Priest Cover „Breaking the Law“ etwas abfällt. Eröffnet wir der Abend mit einem Heavy Metal Gig der alten Schule mit einer viel versprechenden Band: Hardbone bereiten den Boden für ihre Majestät und machen ihre Sache ausgezeichnet, Headbanging inklusive!

Fotos (c) Michael Kienzler

20. Juli
Glenn Hughes

Was für ein Festivalfinale! Glenn Hughes, Ex-Bassist und Sänger der britischen Kultband Deep Purple, zeigt bei seinem Auftritt auf dem Honberg alles, was seine frühere Band leider mittlerweile längst vermissen lässt: Energie, Spielfreude und vor allem stimmliche Brillanz. Hughes Auftritt ist ein Fall für die Honberg-Geschichtsbücher, die zweite Hälfte des rund 100-minütigen Gigs vielleicht das intensivste und sicher etwas vom Besten, was im Zeltrund je zu hören war. Mit den Megakrachern „Smoke on the Water“, „Burn“ und „Highway Star“, das der erstaunlich fitte 68-Jährige als Zugabe auf die Bühne bringt,  sorgt Hughes für ein restlos euphorisiertes Publikum. Einziger Wehmutstropfen: ausgerechnet dieser Abend ist mit knapp 1.000 Zuschauern der am schlechtesten besuchte 2019.

Fotos (c) Patrick Nädele