Der 23. Honberg-Sommer 2017: Hoch hinaus im neuen Viermaster!

Was bleibt von der 23. Auflage des Honberg-Sommers? Für uns zählen zu den denkwürdigen Momenten etwa der Stagediving-Ausflug von Michael Patrick Kelly, der von seinen Fans auf Händen durchs ausverkaufte Zelt getragen wurde. Seine ersten Fans trafen schon 36 Stunden vor dem Mastermind hinter den größten Hits der Kelly Family ein und campierten für die besten Plätze direkt vorm Eingang! US-Star Anastacia sorgte für eine der technisch aufwändigsten Shows in der Festivalgeschichte und ihr Sicherheitsmann für reichlich Betrieb backstage schon bevor die Salutschüsse einer Hochzeit im kleinen Burghof mal eben für Alarm sorgten. Anastacias Konzert entschädigte für alles! Sensationell gut aufgelegt auch Helge Schneider, der alle Erwartungen seiner eingefleischten Fans erfüllte und sicher viele neue hinzugewonnen hat. Lange erinnern werden wir uns auch an das Fast-Aufeinandertreffen des Ehepaars Anna Loos und Jan-Josef Liefers (ihm verdankt Turmwächter Herbert Tiny einen besonders schönen Eintrag im Gästebuch des Zinnenturms), die mit ihren Bands Silly und Radio Doria nur wenige Tage nacheinander in der Burgruine vorbeischauten. Den Überraschungscoup landeten wir freilich mit der Verpflichtung der Kenny Wayne Shepherd Band, die ein formidables Konzert spielten und sich nachdrücklich für eine Wiedereinladung bewarben – eine Hammershow! Dann waren da noch Samy Deluxe, Seven, Matthias Reim oder der bestens aufgelegte und vom Publikum frenetisch gefeierte Kurt Krömer u.a., die hier alle mehr als nur eine Erwähnung verdient hätten.

Was wir leider seit 2017 auch wissen: Eine Woche Dauerregen im Juli, ja, das geht – leidtragend v.a. die neu aufgestellte Festivalgastronomie, die mit tollen Neuerungen wie Thai Food oder Flammlachs punkten konnte. Angesichts der neuen Vielfalt fiel dann kaum ins Gewicht, dass im Biergarten bei den Speisen auf Selbstbedienung umgestellt wurde. Mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hatte der Freifunk, der erstmals für flächendeckendes Internet für alle Gäste sorgte. Und dann war da natürlich noch die Premiere des neuen Festivalzelts, das Helge Schneider bei seinem Auftritt in der ihm ureigenen Art mal eben liebevoll als „blauen Plastiksack“ titulierte. Geschenkt, denn die BesucherInnen hat das neue Zelt mit seinem deutlich besseren Blick aufs Bühnengeschehen überzeugt wie die Aussicht auf „Sonnenschein“-Tickets bei ausverkauften Events. Ebenso überzeugend: die neue Gestaltung der Plakate und Printprodukte bis hin zum erstmals „interaktiv“ angelegten Festivalmagazin – ein Mehrwert, der auf viel Gegenliebe stieß.

Fotos von den Veranstaltungen der Premierensaison im neuen Rundzelt unterm Sternenhimmel finden Sie hier in großer Zahl. Wir möchten damit das Fest(ival) in der Burgruine im Juli 2017 noch einmal lebendig werden lassen – für alle, die dabei waren, und für alle, die’s leider verpasst haben. Viel Spaß!

07. Juli
Laith Al-Deen, Support: Johannes Falk

Die Premiere mit Stammgast Laith Al-Deen und seiner klasse Band und mit Überraschungsgast Mathis Schuller aus Stockach (der 13-jährige „Dein Song“-Finalist performte mit Laith seinen Song „Three Lives“) hinterlässt zum Festivalauftakt 2017 fast 1.000 begeisterte BesucherInnen. Fürs musikalische Opening im neuen Festivalzelt hatte zuvor Singer/Songwriter Johannes Falk gesorgt. Eine Sommernacht wie gemalt …

Fotos (c) Patrick Nädele, Tanja Schmitz, Petra Schneider

08. Juli
Samy Deluxe & DLX BND, Special Guest: Bengio

Restlos ausverkauft war das Zelt am zweiten Festivalabend, den mit Bengio ein sehr hoffnungsvoller Newcomer der deutschen Musikszene eröffnete. Und Samy Deluxe setzte auf die gelungene Eröffnung (natürlich) noch einen drauf: Der Grandmaster, Urvater oder Grand Seigneur der deutschen Rap- und Hip Hop Szene zeigte, was er den Jungen des Genres immer noch voraus hat und lieferte einen bärenstarken und wirklich inspirierten Auftritt ab. Sehr fett!

Fotos (c) Patrick Nädele

09. Juli
Kurt Krömer

Voller Körpereinsatz beim ersten Einsatz des neuen Gradins (so heißt die ansteigende, halbrunde Sitztribüne)  im erneut ausverkauften, schwül-heißen Festivalzelt: der Berliner Kultkomiker Kurt Krömer blieb seinen Fans nichts schuldig und erntete Lachsalven am laufenden Band – egal ob er über die Hintergründe der Pannen am Berliner Flughafen sinnierte oder über die Müllabfuhr in Neukölln. Auch die Nähe zum Publikum könnte bei einem Krömer-Auftritt nicht enger sein. Das erfuhr mancher Besucher am eigenen Leib …

Fotos (c) Ralph Schöttke

10. Juli
Chilli da Mur, Delta Q & Bliss

„Schweizer Stimmwunder, Grazer Grazien und Berliner Buben im Honberg-Zelt“ titelte der Gränzbote. Die A Cappella Nacht 2017, moderiert von Peter Martin Jacob, eröffneten Chilli da Mur mit einem Programm von Radioheads „Creep“ bis zu „Der Mond ist aufgegangen“ reichte. „Mundmukke“ gab’s von vier Jungs aus Berlin, die für die knapp 650 Zuhörer im vollbesetzten Zelt u.a. die „Ode an die Freude“ dabei hatten. Das Schweizer Quintett Bliss brillierte mit Vokalkunst u.a. zu „Chasing Cars“ (Snow Patrol) oder „Rosanna“ (Toto).

Fotos (c) Patrick Nädele

11. Juli
Helge Schneider

Ein „Best of“ seiner Karriere servierte „die singende Herrentorte“ den Fans im randvollen „Plastiksack“, O-Ton Helge. Gut gelaunt und mit einer hervorragenden Band im Rücken (Teekoch Bodo nicht zu vergessen!), wurde Helge für seine einzigartige Mischung aus Humor und Musik vom Publikum gefeiert – ob er über „Blumenbetonkübel in Gestalt einer 6-Kant-Mutter“ fabulierte, seinem „Telefonmann“ einen Vibrationsalarm verpasste oder in „Sommer, Sonne, Kaktus“ auch eine Tuttlinger Strophe einbaute.

Fotos (c) Michael Kienzler, Ralph Schöttke

12. Juli
Mnozil Brass

Viel geredet wurde nicht beim grandiosen Auftritt der österreichischen Kultformation Mnozil Brass im (ausverkauften) Festivalzelt: Das Wort hatte in der neuen Show „Cirque“ der sieben Wiener Blechbläser vielmehr die Musik. Das Septett lotete die Grenzen seiner Instrumente aus und fühlte dem Publikum in Sachen Humor auf den Zahn. Dem Affenzirkus des Alltags Musik und Humor entgegensetzen und ihn so in einen kleinen, feinen Flohzirkus verwandeln – das wollten (und schafften!) die Wiener mit Bravour!

Fotos (c) Michael Kienzler

13. Juli
HoSo-Varieté 2017 „On the road“

Einmal mehr faszinierten die Absolventen der staatlichen Artistenschule Berlin auf dem Honberg ihr Können. Unter der Regie von Tobias Fiedler präsentierten sie im bis auf den letzten Platz gefüllten Zelt artistische, tänzerische, schauspielerische und akrobatische Höhepunkte am laufenden Band: Zwölf junge KünstlerInnen zwischen 19 und 21 Jahren präsentierten ihre Soloparts, kleine Geschichten, die sich zu einem zweistündigen Showspektakel fügten.

Fotos (c) Patrick Nädele, Helmut Liermann

14. Juli
Matthias Reim, Support: Daniel Schuhmacher

Von wegen Schlagermucke! Matthias Reim bewies im ausverkauften Festivalzelt, dass er einer der vielleicht am meisten verkannten Künstler hierzulande ist und legte mit seiner exzellenten Band eine saubere Pop/Rock-Show auf die Bühne, die (sehr) viel mehr war als das unvermeidliche „Verdammt, ich lieb‘ Dich“, das als letzte Zugabe kam. Und auch Daniel Schuhmacher überzeugte als Opener voll.

Fotos (c) Patrick Nädele, Helmut Liermann

15. Juli
Michael Patrick Kelly, Support: Jona Bird

Euphorie pur! Über 1.300 Fans erlebten mit Michael Patrick Kelly einen großartigen Musiker, Sänger und Entertainer, der seiner Kelly Family, mit der er den ersten Teil seiner (Welt-)Karriere erlebte, längst entwachsen ist. Facettenreich, musikalisch hochklassig und perfekt choreographiert war der Auftritt des 40-Jährigen. Kelly-Hits wie „Mama“ oder „An Angel“ gab’s ebenso wie Covers von Silbermond und Mark Forster oder neuere Songs vom Album „iD“ … und dazu sogar eine Stage Diving-Einlage.

Fotos (c) Patrick Nädele, Helmut Liermann

16. Juli
Radio Doria

Statt ARD „Tatort“ und Prof. Boerne Honberg-Sommer und Radio Doria: „Liefers liefert“, titelte der Gränzbote zum Konzert der Band, bei der Schauspielstar Jan-Josef Liefers am Mikrofon steht. Hier gibt er den agilen Frontmann und Sänger. Folkballaden, Popsongs und treibenden Rock brachten Liefers Mannen auf die Bühne, Hits wie  „Jeder meiner Fehler“ oder „Verlorene Kinder“, aber auch ganz neues Material und viele kleine Geschichten.

Fotos (c) Patrick Nädele 

17. Juli
Anastacia

Sie war für viele der Superstar des 23. Zeltfestivals: US-Sängerin Anastacia, mit weltweit mehr als 30 Millionen verkauften Platten und Megahits wie „I’m Outta Love“, „Paid My Dues“ oder „Left Outside Alone“ angereist, erwies sich mit ihrer perfekten Show als quicklebendige Musiklegende und begeisterte mit ihrer unverwechselbare Stimme auf ihrer „Ultimate Collection Tour“ restlos. Dass kein Platz im Zelt frei blieb und die „Sunshine Tickets“ reichlich Absatz fanden, versteht sich da von selbst.

Fotos (c) Patrick Nädele

19. Juli
Seven, Special Guests: San2 and His Soul Patrol

Wetterbedingt mit Verspätung eröffnete die Münchener Formation San2 & His Soul Patrol den Abend. Das Quintett um den vollbärtigen Bluesharpspieler, Sänger und Entertainer San2 überzeugte auf ganzer Linie! Seven, der zwar hierzulande noch immer nicht den Status erreicht hat wie in seiner Schweizer Heimat, ist Soul-, Funk- und Pop/Rock-Freunden spätestens seit seiner Teilnahme an der TV-Show „Sing meinen Song“ bekannt. Sein energiegeladener 100-Minuten-Gig begeisterte die knapp 750 Fans voll.

Fotos (c) Michael Kienzler 

20. Juli
Silly, Special Guests: Jeden Tag Silvester

„Wir machen ein bisschen andere Musik, das war bei Silly schon immer so – und das wollen wir auch weiter durchziehen“, verriet Frontfau Anna Loos im Interview vor der Show. Laut und frech, rockig und deutsch, politisch und emotional, so die Schwäbische Zeitung, präsentiert sich die Kultband aus dem Osten der Republik ihren über 1.000 Fans auf dem Honberg. Fürs optimale Warm Up hatte ein toller 40-Minuten-Auftritt von Jeden Tag Silvester, die damit sicher einige neue Fans hinzu gewonnen haben dürften. .

Fotos (c) Michael Kienzler 

21. Juli
Kenny Wayne Shepherd Band, Support: Mike Keneally

Ein Act, der definitv ein brechend volles Zelt verdient gehabt hätte, war das Konzert der Kenny Wayne Shepherd Band, die ihren 1.000 Fans einen sensationellen Bluesrock-Orkan um die Ohren wehen ließ, während draußen ein Gewitter tobte und der Regen in Strömen fiel. Shepherd,  Sänger Noah Hunt und ihre exzellente Mitstreiter präsentierten reichlich Material vom brandneuen Album „Lay It On Down“. Und der US-Gitarrist bewies, weshalb er unisono als einer der größten Gitarristen seiner Generation gehandelt wird.

Fotos (c) Roswitha Bosch, Helmut Liermann 

22. Juli
Russkaja & Fiddler’s Green

Ein krachender Schlussakkord für das Abendprogramm des 23. Honberg-Sommers mit einem wilden Septett aus Wien um Frontmann Georgij Alexandrowitsch Makazaria („Tuttlingääään“!) und den Erfindern des Irish Speedfolk. Schon die originelle Mischung aus traditioneller russischer Musik, Ska, Polka, Balkan, Rock und Pop zündete, und bei Fiddler’s Green vergaßen die mehr als tausend Besucher endgültig den Abschiedsschmerz angesichts des Festivalendes.

Fotos (c) Helmut Liermann